Nichts fühlen oder plötzlich wütend?
Du sagst „Alles gut, ist schon okay“ und kannst eigentlich gar nichts fühlen?
Oder du fährst wegen einer offenen Zahnpastatube aus der Haut und weißt selbst nicht, wo das herkommt?
Erkennst du dich in der äußeren Wut? Oder eher nicht, weil du sie gar nicht spüren kannst?
In diesem Blog zeige ich dir beide Versionen und eine hat scheinbar gar nichts damit zu tun… scheinbar…
Nichts fühlen oder plötzlich wütend? Ich doch nicht, oder?
Wie jetzt? Ich bin weder plötzlich wütend noch zornig und aggressiv schon mal gar nicht.
Stimmt das wirklich? Vielleicht bist du auch eher ein Harmonie-Mensch. Aber ist das die ganze Wahrheit?
Lass uns mal die beiden Extreme beleuchten:
Von jetzt auf gleich hast du das Gefühl, dein Verstand macht Pause. Du reagierst unangemessen und aus heiterem Himmel und fragst dich, wie es dazu kommen konnte. Du liebst es harmonisch, leise und dann…
Gab es einen großen Auslöser, der dich provoziert hat? Hmmm, wahrscheinlich nicht, aber es hat gereicht, um das unsichtbare Fass zum Überlaufen zu bringen.
Immer stark sein, immer funktionieren
Du schleppst alles mit dir rum, es scheint auch niemanden wirklich zu interessieren, wie es dir tatsächlich geht. Für andere bist du die Lösung und natürlich stehst du immer zur Verfügung, wenn jemand sich auskotzen will.
Das ist dein Normal und du hinterfragst es auch nicht, weil du es nicht anders kennst, oder? Du spürst die leisen Zeichen auch gar nicht, die diesen Gefühlsausbruch ankündigen. Dieser kleine Moment, an dem der Punkt erreicht ist, kommt scheinbar aus dem Nichts.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl, immer stark sein zu müssen, funktionieren zu müssen, weil du gelernt hast, dass niemand dir wirklich zuhören will. Du hast gedacht, du musst deine Emotionen einschließen, um niemandem zur Last zu fallen.
Du glaubst, dass Gefühle wie Wut oder Ärger im Alltag keinen Platz haben und weggepackt werden müssen. Aber weißt du was? Genau deshalb sind sie tickende Zeitbomben und die bringen einiges an Symptomen mit sich.
„Alles gut, ist schon okay“
Als ich anfing, mich mit meinen Schattenanteilen zu beschäftigen, hatten die unterdrückten Gefühle und Emotionen keinen Grund mehr, im Hintergrund ihre Entladungen auszuleben.
Die Gefühle selbst sind weder gut noch schlecht, sondern sind durch Konditionierungen entstanden und durch das, was uns zur Verfügung stand, damit umzugehen oder auch nicht.
Weil niemand sich wirklich für deine Bedürfnisse und Gefühle interessiert, hast du gelernt, dich runterzuschlucken.
Du lächelst lieber und antwortest auf halbherzige Fragen mit: „Alles gut, ist schon okay“. Nur du weißt, dass das eine Lüge ist, drehst dich um, damit niemand den Schmerz in deinen Augen sieht.
Vielleicht versuchst du dich mit irgendetwas abzulenken, lebst deine Hobbys exzessiv aus und ja, Perfektion ist da unerlässlich. Soll ja schließlich niemand hinter deine Masken schauen können.
Unter der Oberfläche brodelt es
Du funktionierst, machst scheinbar dein Ding und innen drin brodelt es, ohne dass du es merkst. Wie denn auch?
Du hast dich von dir selbst und deinen Emotionen so weit entfernt, dass es schon richtig krachen muss. Aber dann ist deine Reaktion auch entsprechend und nein, nicht, weil du eine Wahl hast, sondern weil du den Vulkanausbruch wie eine Naturgewalt erlebst, die dich überrollt.
Das macht das Ganze weder für dich noch für die, die damit konfrontiert werden, besser, sondern gibt dir nur einen Ansatz, wo du anfangen könntest, dich wirklich wahrzunehmen und dich selbst zu fühlen.
Meine ersten Spiegel hatten vier Pfoten
Bei mir hat sich das nicht in Aggression gezeigt, sondern in depressiven Phasen, die ich seit meiner Kindheit mit mir rumgeschleppt habe. Niemand hat mich und die Symptome ernst genommen und so machte ich mich auf die Suche, was mit mir nicht stimmen könnte.
Aber wo ansetzen, wenn man gar nicht weiß, wie sich Gefühle anfühlen?
Meine ersten Spiegel waren dann meine Hunde und durch sie habe ich angefangen, die Perspektiven zu wechseln. Ich musste nichts beweisen, nichts sein, sondern wurde angenommen, wie sie mich wahrgenommen haben, ohne Erwartungen.
Viele Jahre und vier Hunde später hatte ich dann endlich mal eine Ärztin gefunden, die erkannt hatte: „Ups, da stimmt was nicht…“
Also ging ich erst mal in die Tagesklinik, um einen sicheren Raum zu haben, und ich wusste, ich muss mich selbst kennenlernen, meinen Ursprung freilegen und sehen, wer ich eigentlich ohne den ganzen Müll bin, den ich mir hab einreden lassen.
Endlich hatte das Konstrukt einen Namen und ich konnte mich meinen Schatten annehmen.
Ich hatte das Glück, eine Therapeutin zu haben, die sich auf mich und meinen Weg eingelassen hat. Vielleicht auch, weil sie kurz vor der Rente stand. Aber das ist auch egal, sie hat mitgespielt, auch wenn sie sich, wie sie sagte, überflüssig vorkam.
Nichts fühlen: Null Wut, und dann kam alles hoch
Psychologische Tests haben ergeben, dass ich null Aggressionen und Wut zeigte – nichts – tot.
Aber je mehr ich meine Schatten aushob, desto mehr konnte an die Oberfläche kommen. Alles, was verschüttet war, alle nie gefühlten Emotionen und Gefühle zeigten sich und oh man, jede Menge Wut, Ärger, Zorn, Verbitterung und weiß der Geier was noch alles kamen hoch.
Nein, nicht als plötzliche Entladung, sondern als die Geschichten, die sie unterdrückt, erdrückt, erstickt hatten. Die Geschichten waren dann gar nicht mehr so wichtig, sondern das Annehmen der unterdrückten Emotionen. Nach und nach wurde die Depression stiller und irgendwann war sie ganz weg.
Gefühle selbst sind weder gut noch schlecht. Sie sind das, was wir damit erlebt haben und welche Strategien wir dadurch entwickelt haben. Sie sind also nicht mal ein Teil von uns selbst. Das zu erkennen ist ein Geschenk. Was meinst du?
Wenn das Fass überläuft
Vielleicht sagst du wochenlang zu allem Ja und Amen, hältst den vermeintlichen Frieden zusammen, bis eine harmlose Bemerkung das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt und du völlig unverhältnismäßig aus der Haut fährst.
Vielleicht richtest du deine angestaute Wut sogar gegen dich…
An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis:
Bitte geh zum Arzt oder Therapeuten, wenn du dich gerade wiedererkennst. Ich teile meine Erfahrungen. Meine eigenen und die, die ich im Laufe meines Lebens durch andere gesammelt habe. Meine Arbeit ist unterstützend, ergänzend und nicht Ersatz!
Kleinigkeiten, die das Fass zum Überlaufen bringen können
Kommen dir diese Momente im Alltag bekannt vor? Du räumst seit Wochen schweigend hinter allen anderen her, sagst jedes Mal „macht doch nichts“ und rastest dann aus, weil jemand die Zahnpastatube nicht zugeschraubt hat.
Oder du bist im Büro, bekommst eine Zusatzaufgabe nach der anderen und natürlich wirst du es weglächeln, bis ein kleiner Rechnerabsturz am Nachmittag reicht, um dann laut Dampf abzulassen und den Stift in die Ecke zu pfeffern.
Oder du erträgst ein vermeintlich harmloses Familienessen mit stoischer Ruhe, nickst freundlich zu jedem blöden Spruch und kriegst dann daheim im Flur den Wutanfall, weil der Hausschlüssel kurz klemmt.
Natürlich wirst du nicht jedes dieser Beispiele kennen. Du kennst dich besser… äh, Moment. Das sollte so sein, aber ist es nicht, weil ja deine eingekapselten Emotionen gar nicht zulassen, dass du dich selbst kennenlernst.
Zulassen ist hier das besondere Wort. Zu lassen, was eigentlich gesehen und gefühlt werden will. Erkennst du es? Was ist dein blinder Fleck? Blöde Frage, oder? Er heißt nicht umsonst blinder Fleck, wenn du ihn kennen würdest, könntest du es ändern.
In welchen Beispielen hast du dich erkannt?
An welcher Stelle im Alltag fängst du an, Dinge herunterzuschlucken, anstatt sie direkt anzusprechen?
Was passiert in dir, wenn du Wut nicht länger wegsperrst, sondern einfach erst mal durchfließen lässt?
Welche kleine Kleinigkeit bringt bei dir regelmäßig das Fass zum Überlaufen?
Schreib es gerne in die Kommentare, wenn du dich erkannt hast.
Vielleicht dient dir das Runterschlucken als Strategie, die sich entwickelt hat, um niemandem zur Last zu fallen.
Vielleicht ist das sprunghafte Überlaufen eine direkte Folge von angestautem Druck. Was meinst du?
Falls du der einen oder anderen Frage nicht allein auf den Grund gehen möchtest möchtest, deine Schatten nicht alleine gegegnen willst: Dafür gibt es bei SOUL2SOUL das Impulsgespräch.
Schreib mir einfach über das Kontaktformular eine Nachricht, was dein Thema ist und wir finden zeitnah einen Termin.