Retreat für die Sinne: Farben, Klänge, Natur – wie ich meinen Weg zurück fand
Heute Morgen ein Foto. Mohnblumen.
Und plötzlich wusste ich wieder, warum dieser Retreat existiert, nicht als Methode, sondern als das, was mich selbst zurückgebracht hat.
Farben, Klänge, Natur – warum dieser Retreat aus meiner dunkelsten Zeit entstanden ist
Heute Morgen entdeckte ich ein Foto. Mohnblumen. Und mit einem Mal war ich wieder da — auf dem Feldweg, mit Rosi, in einer Zeit, in der ich gerade anfing wieder zu spüren, dass Leben auch leicht sein kann.
Das ist der Grund, warum ich diesen Retreat mache. Nicht weil ich eine Methode entwickelt habe. Sondern weil ich weiß, was diese drei Dinge — Farben, Klänge, Natur — in mir bewegt haben. In einer Zeit, in der ich lieber gar nichts mehr fühlen wollte.
Lass mich dir erzählen, wie das alles angefangen hat.
Die Mohnblume, die gesprochen hat
Es ist ein paar Jahre her. Ich versuchte mich gerade von der ganzen Coaching-Bubble abzunabeln und kämpfte noch damit, meinen eigenen Wert anzuerkennen. An diesem Morgen ging ich mit Rosi einen unserer Feldwege entlang. Und dann stand sie einfach da. Eine Mohnblume. Wunderschön, kraftvoll, ließ sich vom Wind schaukeln und ich hätte schwören können, sie sprechen zu hören.
An diesem Morgen ist etwas mit mir passiert.
Das war nicht das einzige Mal, dass mir die Natur etwas gesagt hat, das ich eigentlich schon wusste. Im Wald verlief ich mich einmal so gründlich, dass es dunkel wurde. Ich fotografierte wie ein Weltmeister und war so überwältigt von den gewaltigen Bäumen, dass ich die Zeit vergaß. Irgendwann hörte ich: „du hast die Weisheit auch in dir. Du hast es nur vergessen. Erinnere dich.“
Mein erster Gedanke: ich hab nen Knall.
Mein zweiter: verflixte Kiste, wo bin ich hier überhaupt?
Was ich in der Tagesklinik über Farben gelernt habe
Zum Malen bin ich in der Ergotherapie gekommen. Es ging mir wirklich schlecht. Und da ich noch nie malen konnte, lehnte ich das Angebot komplett ab.
Zum Glück hatte ich einen Therapeuten, der mich nicht unter Druck setzte. Er lümmelte mir gegenüber, die Arme auf dem Tisch, und sah aus, als wollte er ein Nickerchen machen. Dann sagte er: „alles gut. Mal halt nicht. Ich sitze hier auch nur meine Zeit ab.“
Das wars.
Am nächsten Tag nahm ich mir die kleinste Leinwand, die zur Verfügung stand. Ich konnte wirklich nicht malen, das steht außer Frage. Aber die Farben machten etwas mit mir. Ich liebte es einfach, alles bunt zu machen, wo es doch in mir noch dunkel war.
Nach und nach wurde ich kreativer. Und der Umgang mit Farben hat sich auf meine innere Welt ausgewirkt. Ich fing an zu summen beim Malen. Zu singen, leise. Ich hatte Zuschauer und hab es nicht mal gemerkt, weil ich so vertieft war. Nie im Leben hätte ich mich das getraut. Aber beim Malen war ich in einer ganz anderen Welt.
Das Trommeln, das Wände einreißt
In der Tagesklinik gab es Musiktherapie. Jemand saß mir gegenüber, grinste und sagte: „heute wird getrommelt.“
Nachdem ich wieder atmen konnte, sagte ich mit angstvoll aufgerissenen Augen: „träum weiter.“
Bis dahin hatte ich mir immer die kleinsten, leisesten Instrumente gesucht. So sollte es bleiben, dachte ich. Der Plan ging schief.
Was in dieser Einheit passiert ist, weiß ich nicht genau. Als ich zu mir kam, hatte ich keine Frisur mehr und war klatschnass geschwitzt. Alle schauten mich an. Ich nicht mehr, denn es ist etwas passiert. Als wären Wände eingekracht. Unsichtbare Mauern, die ich aufgebaut hatte, damit nichts mehr an mich rankommen sollte. Mauern, die ich brauchte, bis ich sie nicht mehr brauchte.
Ich hatte mich irgendwann entschieden, lieber nichts mehr zu fühlen als so viel. Nicht weil ich es nicht wollte, sondern weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Das Trommeln hat das aufgebrochen, was ich alleine nicht öffnen konnte.
Wenn ich das überlebt habe, haut mich nichts mehr um
Nach der Reha hatte ich einen Entschluss: ich verstecke mich nicht mehr. Also traf ich mich mit einer Freundin und wir gingen in den Kletterwald. Trotz Höhenangst. Ich kam bis zur vorletzten Stufe, dann mussten wir abbrechen, weil die schließen wollten. Ich war so stolz. Hätte mir das einer zwei Monate vorher gesagt, dem hätte ich kein Wort geglaubt.
Aber ich wusste: wenn ich das überlebt habe, haut mich nichts mehr um.
Also kam ich auf die Idee, mir eine Gitarre zuzulegen.
Zwei Gitarren. Kann immer noch nicht spielen.
Schon als Kind wollte ich Gitarre spielen. Mein Opa brachte mir irgendwann eine mit. Echtes Talent wollte sich nicht einstellen.
Also gut — die Gitarre war bestellt, bevor der Gedanke fertig war. 2 Griffe später waren meine Übungen bei YouTube. Es war furchtbar. Aber genauso lustig. Inzwischen hatte ich entschieden, dass Keith Urban mein Lehrer sein sollte. Der arme. Zum Glück weiß er nichts davon. Er hätte sie mir übergezogen.
Dann dachte ich, vielleicht liegt es an der Gitarre. Zu groß, falsche Saiten. Eine Westerngitarre zog ein.
Spoiler: daran lag es nicht.
Und trotzdem mache ich weiter. Weil der Spaß daran nichts mit Können zu tun hat. Weil das Ausprobieren selbst schon etwas öffnet.
Was Rosi mich gelehrt hat, ohne es zu wollen
Obwohl ich durch meine Tiere täglich in der Natur war, konnte ich sie nicht sehen. Nicht die Schönheit, das Besondere wahrnehmen. In der Depression hat man die Nase wie ein Bluthund am Boden. Wie soll man so die Schönheit sehen?
Aber nach dem Klinikaufenthalt wandelte sich etwas. Ich fing an, die Farben und Formen in der Natur wahrzunehmen. Düfte. Die Kraft der Bäume. Ich fing an zu fotografieren, weil ich so überwältigt war von dem, was es alles zu betrachten gab. Nie zuvor hatte ich so viele Käfer, Schmetterlinge gesehen. Junge Füchse spielten und ließen sich von mir nicht ablenken. Die Jahreszeiten, die ich zuvor nur aus Büchern kannte, jetzt sah ich sie wirklich.
Die Natur ist ein Wunder. Und wir laufen täglich dran vorbei.
Hör auf zu suchen und lass dich finden
Einmal im Wald suchte ich Fliegenpilze und fand keine. Irgendwann hörte ich: „hör auf zu suchen und lass dich finden.“ Ich hörte auf. Fand immer noch keine. „Du suchst ja immer noch. Nur weil du die Nase vom Boden genommen hast, ist das kein Nicht-Suchen.“
Ich musste lachen. Spielte mit Rosi. Und da waren sie. Einer schöner als der andere.
Warum dieser Retreat aus genau diesen drei Dingen besteht
Nicht weil ich ein Konzept entworfen habe. Sondern weil das die drei Dinge sind, die mir den Weg zurück zu mir geöffnet haben. In einer Zeit, in der ich lieber gar nichts mehr gespürt hätte.
Farben, weil sie etwas in dir aufmachen, ohne dass du weißt wie. Klänge, weil sie Wände einreißen, die du alleine nicht öffnen kannst. Natur, weil sie dich erinnert, dass du nicht alleine bist — und nie warst.
Du musst nicht malen können. Ich kann es immer noch nicht wirklich. Du musst keine Instrumente spielen. Ich hab zwei Gitarren und bring kaum einen Akkord. Du musst die Natur nicht lieben. Ich hab sie jahrelang nicht mal gesehen.
Dieser Retreat ist nicht darauf ausgerichtet, dass du am Ende etwas Produktives geschaffen hast. Er ist dafür da, dass du dich erinnerst, wie es sich anfühlt einfach da zu sein. Alles darf, nichts muss.
Den Anspruch auf Perfektion kannst du draußen lassen.
Und du nimmst etwas mit nach Hause, das sich schwer in Worte fassen lässt — aber dein Alltag wird es merken.
Es darf leicht sein — ein Retreat für die Sinne. Sa + So | je 10–14 Uhr | 99 €
Kreative Prozesse können intensive Erfahrungen auslösen. Dieser Retreat kann therapeutische Begleitung ergänzen, ersetzt sie jedoch nicht. Hier ist Eigenverantwortung gefragt.