Elf Jahre und elf Tage.

Rosi war mein Engel auf Pfötchen, das sanfteste Wesen das ich je kannte.

Rosi hatte die schwerste Aufgabe von allen.

Ihr letztes Geschenk an mich, zeigte das wahre Ausmaß.

Rosi | 11. Juni 2015 – 22. Juni 2026

Flower Power. Hurricane. Spiegel. Fundament.


Cecilia hat sie mir geschickt.

Das war kein Zufall und keine spontane Idee. Cecilia hatte einen Plan, wie immer. Als sie spürte dass ihre Zeit sich dem Ende neigte, schaute sie mich an und sagte trocken: „Das mag sein. Aber guck nach Rosi.“

Beim Züchter hieß sie noch Pinky. Rosa Halsband. Meerschweinchen-groß. Als ich sie auf dem Arm hatte, leckte ihre Mama mir die Hände und dann Rosi und dann wieder mich. Das hat sie mit keinem anderen Welpen getan.

Das war ein Zeichen.

Flower Power — Präsenz ohne Ego

Rosi war Flower Power. Keine laute Aufgabe, kein Drama, das war nie ihre Art. Und trotzdem war sie überall.

Sie stand im Audi_Katalog. Sie spielte in einem Kinderfilm auf Netflix mit. Wo immer sie auftauchte, zog sie alle Blicke auf sich, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen. Einfach durch ihr SEIN.

Auf der Hochzeit meiner Schwester trug sie Leopardenohren als wären sie selbstverständlich. Als ich sie später ins Hotel bringen wollte, drehte sie einfach um und legte sich mitten auf die Tanzfläche.

Alle tanzten um sie herum wie um einen Maibaum. Am Nachmittag kümmerte sie sich um die Kinder und spielte Nanny. Niemand hat sie darum gebeten. Sie hat es einfach getan.

Das war Rosi. Partymaus. Kinderfreundin. Mittelpunkt ohne Absicht. Präsenz ohne Ego.

Rosi hielt mich. Seit über zehn Jahren. Still. Unerschütterlich.

Sie trug ihre Vorgänger in sich. Lucy. Charlie. Cecilia. Alle da, auf Seelenebene. Nach und nach verblassten die Seelenanteile. Bis nur noch sie selbst übrig blieb.

Mit ihr habe ich positive Eigenschaften an mir entdeckt die ich lange nicht annehmen konnte. Mit ihr habe ich meine Krankheit überwunden, entgegen allen Prophezeiungen. Das war die schwerste Aufgabe die je ein Tier für mich getragen hat.

Und dann noch eine. Am Ende.

Sie war der Hurricane

Am 15. Juni bin ich auf dem Weg zur Arbeit gestürzt. Meine Gedanken waren mehr bei Rosi als bei mir. Der Körper sagt immer die Wahrheit, auch wenn man noch nicht hinschauen will.

Sie bereitete uns beide vor. Ruhig. Auf ihre Art. Und dann sagte sie mir was ich noch nicht wusste:

„Du hast in den letzten Jahren ein Fundament gebaut. Für uns, für dich, für deine Soulis. Ich war der Hurricane. Der letzte Besuch beim Tierarzt war die Generalprobe. Mehr muss ich nicht dazu sagen. Zeit ist relativ.“

Der Hurricane war nicht sie. Sie war das sanfteste Wesen das ich je kannte. Der Hurricane war ihr Abgang. Was er ausgelöst hat. Die Nacht. Das tierische Gesundheitssystem versagte, wie damals als ich krank war. Das Alleinsein. Alles auf einmal. Damit ich sehe was das Fundament wirklich trägt.

Das war ihr letztes Geschenk. Bewusst. Präzise. Typisch Rosi.

Cecilias Abschied hatte sie mir angekündigt: „Wenn Rosi soweit ist, dass sie den Job alleine machen kann.“

Rosi hat den Job gemacht. Bis zum letzten Atemzug. Rosi kündigte es letzte Woche bereits an „Stairways to heaven.“

Die letzte Nacht

In den letzten Tagen hat sie geschlafen und gefressen was ich ihr gekocht habe. Sie hat sich gestärkt, für eine lange Reise.

Am Abend des 21. Juni wurde sie unruhig. Wir gingen noch einmal raus. Dann brach sie vor unserer Tür zusammen.

Kein Notdienst war erreichbar. Zwei Nachbarinnen haben alles versucht. Zwei Männer haben geholfen sie reinzutragen. Menschen die einfach da waren, ohne zu fragen ob sie dürfen.

Eine Hilfsbereitschaft von Menschen, die man nur flüchtig oder gar nicht kennt. Ich fühlte so eine tiefe Dankbarkeit, dass ich in dem Moment nicht alleine sein musste. 

Als wir alleine waren, war ich bei ihr. Die ganze Zeit. Klar und präsent, so wie sie es immer war.

Um 0:44 Uhr hat ihr Herz aufgehört zu schlagen.

Sie war 11 Jahre und 11 Tage alt.

Sie hat ihren Kreis geschlossen. Auf ihre Art. In ihrem Tempo. Zuhause.

Die Botschaften hinter 11:11 habe ich wieder erst später erkannt als es offensichtlich war.

Jetzt sind sie wieder zusammen

Cecilia hat damals gesagt: „Es war mir immer eine Freude und ein Vergnügen dich und Rosi auf eurer Mission zu beobachten.“

Jetzt sind sie wieder zusammen.

Ich werde mein Versprechen einlösen und sie ans Meer bringen. So wie es abgemacht war. Von Anfang an.

Danke, Rosi. Für dein SEIN.

CaRoSi