Schattenarbeit: Eine Schublade, hundertmal aufgemacht

Schattenarbeit: Eine Schublade, hundertmal aufgemacht

Eine Schublade, die du schon hundertmal aufgemacht hast. Immer an derselben Stelle gesucht.

Du hast alles mögliche gefunden aber nicht das, wonach du eigentlich gesucht hast.

Lies hier, warum das kein Zufall ist und was wirklich dahinter liegt.

Stell dir vor, du suchst deinen Autoschlüssel, genauso läuft das oft mit Schattenarbeit. Du weißt genau, in welcher Schublade er liegt. Du machst sie auf, guckst rein, kein Schlüssel.

Du machst sie wieder zu.

Ein bisschen später: wieder auf, wieder rein geguckt, wieder nichts. Und wieder zu. Kommt dir das bekannt vor?

Was du nicht machst: irgendwas anderes zur Seite räumen. Den Zettel, der obendrauf liegt. Die Tüte, die sich davorgeschoben hat. Du guckst nur und räumst nicht.

Genau das erlebe ich immer wieder, bei mir und bei den Menschen, mit denen ich arbeite.

Jemand macht seit x Jahren dieselbe Technik, dieselbe Meditation, dieselbe Schattenarbeit. Und irgendwann kommt das Gefühl: nichts bewegt sich mehr. Festgefahren.

Vielleicht stimmt das gar nicht. Vielleicht ist bloß etwas anderes über das gerutscht, wonach gesucht wird und es müsste nur einmal zur Seite geschoben werden, damit der Blick wieder frei wird.

Das ist übrigens auch keine große Sache. Die Schublade muss danach nicht für immer offen bleiben, sie muss nicht komplett ausgeräumt werden. Nur das eine Stück zur Seite. Finden, was gesucht wurde. Weitermachen mit dem, was schon lief.

Schattenarbeit: Wo die Bubble wegduckt

Ich glaube, dass das genau das Problem ist.

In der Coaching- Spiri- und Bubble-Szene fehlt oft der Mut den Raum zu halten, wenn es tief gehen soll.

Meine Erfahrung ist, dass nur bis zu einem bestimmten Punkt hingeguckt wird und sobald es ans Wegräumen geht, sobald es vielleicht ein bisschen wehtun könnte, wird zurückgerudert.

„Überfordere dich nicht.“ Aber genau da muss man durch. Sonst bleibt alles andere nur Spielerei.

Das ist das gleiche in grün mit der Hochsensibilität und dem ganzen schützen ringsherum.

Wie soll man Resilienz entwickeln, wenn man sich nicht stellt?

Wie soll man lernen mit seinen besonderen Fähigkeiten umzugehen, wenn man sie versteckt und nicht wagt zu leben?

Warum sich Fortschritt manchmal wie Stillstand anfühlt

Wenn ich ehrlich zurückschaue, geht es bei mir eigentlich immer ums Wasser. Sog. Ertrinken. Überleben. Das war mir selbst lange nicht klar, aber es zieht sich durch mein ganzes Leben, lange bevor ich Worte dafür hatte.

Was ich gelernt habe: Themen wiederholen sich. Aber die Antworten sind jedes Mal andere, weil die Ebene, aus der die Antworten kommen, immer tiefer liegt.

Diese Phasen gehen ineinander über. Keine ist wirklich abgeschlossen, kein Haken dran, nächste bitte. Was manchmal wie Rückfall aussieht, ist meistens nur noch mal Stabilisieren.

Wer sich auf Schattenarbeit einlässt, muss man auch bereit sein über die Grenzen zu gehen. 

„Was soll das eigentlich bringen?“

Jemand hat mal zu mir gesagt: „Wenn du dich immer wieder umkrempelst, was soll das eigentlich bringen?“

Der hat nicht verstanden, was Schattenarbeit ist und das die Seele hier ist, um Erfahrungen zu machen.

Und dass wir, wenn wir uns diesem Weg nicht stellen, trotzdem mit den Konsequenzen leben müssen.

„Das kenne ich schon“

Oft höre ich auch: „Ach nee, das kenne ich schon, das brauche ich jetzt nicht mehr.“ Damit verbaut man sich die eigenen Wege.

Wenn sich Themen so nah kommen, denken wir schnell, wir kommen nicht vorwärts. Aber das stimmt nicht.

Wir sind weitergekommen, wir müssen die Fragen nur noch mal beantworten, weil die Antworten anders sind.

„Der bequeme Weg“

Ich glaube, dass ein anderes Problem eigentlich das ist, was uns bewusst ist. Wir verwenden das, was wir schon kennen und uns guttut.

Paradox oder?

Aber eigentlich wählen wir damit nur den bequemen Weg und nicht der, der uns aus der Spirale rausbringen würde.

Schattenarbeit ist das, was uns nicht bewusst ist und das nimmt uns die Kontrolle und macht erstmal Angst, weil es unbekannt ist.

Der Sog, der nicht bedroht

Irgendwann kommt dann der Zustand, den ich Riptide genannt habe.

Wenn du in dieser Phase bist, wo eigentlich nichts mehr in die Tiefe geht, sondern nur in die Weite, und du fängst trotzdem an zu zweifeln, wird auch dieser Sog wieder unruhig.

Der Sog nach innen wird stärker. Aber das ist nichts Bedrohliches mehr, weil du schon weißt, dass es jetzt deinem wahren ICH näher kommt als je zuvor.

Du wirst angezogen und kommst dabei einfach tiefer bei dir selbst an.

Was übrig bleibt, wenn alles andere wegfällt

Dieser Sog fließt automatisch in das über, was ich Atlantis nenne. Es ist der ganze Kern: alles, was du freigeschaufelt hast, alle Glaubenssätze, alles, was du mit dir herumgetragen hast, wenn das weg ist, kommt das, was übrig bleibt. DU!

Mein Atlantis: Von oben habe ich draufgeschaut, den Sog, den Riptide, in der Mitte gesehen, wie sich alles vermischt.

Das steht für die tiefe Weisheit, die eigene innere Wahrheit nicht, weil ich sie mit Löffeln gefressen hätte, sondern weil ich mich von den Mustern befreit habe, die mir eingeprägt wurden.

Das hat jeder, das andere nennen Erziehung und Schule.

Es gibt dort kein Entweder-Oder mehr, nur noch Sowohl-als-auch. Kein Kompromiss, kein „darf ich“, eher wie ein Buffet, Selbstbedienung.

Alles ist da, alles verfügbar, und es muss nicht einmal benannt werden, weil es sowieso längst Teil von dir ist.

Es war nur durch blinde Flecken verdeckt. Vollgestopfe Schubladen, die den Grund, das wesentliche nicht gezeigt haben.

Jetzt liegt es klar vor mir.

Was bleibt oder was kommt?

Ich weiß, dass es für mich so ist. Wie das für dich ist, darfst du selbst entdecken.

Aber ich glaube, dass bei dir auch etwas am Brodeln ist, sonst würdest du dir das hier nicht lesen.

Ich wünsche mir von Herzen, dass du deine blinden Flecken zur Seite schieben kannst  und du nicht mehr betriebsblind umhersuchen musst.

Wenn du grad selbst die Schublade nicht aufkriegst

Manchmal reicht es, wenn jemand von außen draufschaut und sagt, wo es hakt, nicht weil du es nicht selbst könntest, sondern weil man in der eigenen Schublade schlecht sieht, was drüberliegt.

Genau dafür ist ein Impulsgespräch da: kein großer Umbau, nur das eine Stück zur Seite räumen, damit du weitermachen kannst.

Carola Baum
Loslassen oder Vermeidung — kennst du den Unterschied?

Loslassen oder Vermeidung — kennst du den Unterschied?

„Du musst nur loslassen.“ Klingt einfach. Ist es nicht. Und wurde dir dabei auch erklärt, wie es sich wirklich anfühlt?

Es ist so unendlich anstrengend und die Müdigkeit macht dich fertig. Nicht, weil du müde bist aus Schlafmangel, sondern weil du immer wieder gehört hast: „du musst nur loslassen.“

Und du hast es versucht. Immer wieder. Neue Techniken ausprobiert, neue Tools angeeignet und ja, manches hat sich auch zunächst gut gefühlt.

Aber was ist wirklich passiert?

Dir wurde Loslassen erklärt. Aber wurde dir dabei auch gesagt, wie es sich wirklich anfühlt? Wie es ist, wenn du wirklich loslässt? Oder hat man dir nur erklärt, wie du besser vermeidest — aber es so natürlich nicht genannt?

Jetzt liest du das hier und bist verzweifelt, weil du dich fragst, warum es bei dir nicht klappt.

Ich war an der gleichen Stelle. Auf dieser Brücke. Und ich weiß, was da wirklich passiert.

Lies weiter.

Was Loslassen wirklich ist und was nicht

Loslassen ist eines der wichtigsten und gleichzeitig verkannten Themen überhaupt.

Und ich glaube, dass die meisten Menschen, die glauben sie lassen los, gerade vermeiden.

Nicht absichtlich. Aus Angst. Aus der ganz realen Angst, dass sich wirklich etwas verändern könnte.

Was ja paradox ist. Denn wir wollen doch Veränderung. Sonst würden sich nicht so viele Menschen verloren fühlen.

Aber das was wir haben ist bekannt. Und bekanntes fühlt sich sicher an — auch wenn es uns kaputt macht.

Stell dir mal vor, diese eine Sache, die du wirklich nicht mehr in deinem Leben haben willst, wäre wirklich weg. Nicht verdrängt. Nicht umbenannt. Wirklich weg.

Was würde sich dadurch alles verändern?

Am Symptom arbeiten oder an der Wurzel

Ich frage mich, ob das bewusste Thema, an dem wir arbeiten, oft nur das Symptom ist. Und was dahinter steckt, ist noch ein blinder Fleck.

Wir arbeiten uns ab an dem, was wir sehen. Aber der Ursprung wartet tiefer.

Alte Glaubenssätze, Muster, Gewohnheiten, traumatische Erlebnisse — die haben wir alle. Das Loslassen davon, und damit auch das Befreien dessen was dadurch verloren gegangen ist, passiert nicht über Nacht.

Es passiert in Schichten.

Du entfernst eine und es fühlt sich an wie eine riesige Last, die von dir gefallen ist. Aber darunter geht es weiter. Solange, bis du den Ursprung erreichst.

Und das funktioniert nicht nach Zeitplan. Sondern dann, wenn du wirklich bereit bist hinzugehen.

Der Morgen an dem ich verstanden habe, was Loslassen ist

Ich war mal bei einem Morgenspaziergang mit Rosi. Dichter Nebel, man konnte kaum drei Meter sehen. Irgendwo dahinter wollte die Sonne durch, aber noch nicht.

Die ganze Zeit dieser eine Glaubenssatz. Er ließ mich nicht los. Alles was er mir angetan hatte, was er aus mir gemacht hatte. Es tat weh. Auch körperlich. Ich heulte.

Aber es gab kein Zurück. Weil jetzt der richtige Moment war.

Ich kam an einem Bachlauf an. Fließendes Wasser. In solchen Momenten immer eine Unterstützung.

Und als ich bereit war — kam die Sonne durch.

Klingt kitschig. War aber so.

Danach konnte ich es nicht mal mehr benennen, was losgelassen hatte. Es hatte keinen Namen mehr. Keine Energie mehr. Es war einfach weg.

Das ist echter Abschied.

Wie erkenne ich den Unterschied

Vermeidung fühlt sich kurzfristig auch wie Erleichterung an. Du redest drüber, du analysierst es, du gibst ihm einen Namen, vielleicht sogar einen Ursprung. Du sagst „ich hab das losgelassen“ — und meinst damit, du denkst gerade nicht dran.

Aber es kommt wieder. In einer anderen Verpackung. Mit einem anderen Gesicht. Beim nächsten Partner, beim nächsten Job, beim nächsten Konflikt.

Weil du am Symptom gearbeitet hast, nicht am Ursprung.

Vermeidung hat viele Gesichter.

Manchmal sieht sie aus wie Entwicklung. Du passt dich an. Du gibst nach. Du wirst gefälliger, netter, zugänglicher. Du denkst, das gehört dazu.

Aber irgendwann merkst du: du bist jedes Mal aufs Schnäuzchen gefallen. Nicht weil du es falsch gemacht hast. Sondern weil du versucht hast jemand zu sein, der du nicht bist.

Das ist auch Vermeidung. Nur mit einem freundlichen Gesicht.

Der Unterschied ist spürbar — aber nicht erklärbar. Du weißt es erst danach. Wenn es keinen Namen mehr hat. Wenn du nicht mal mehr stolz darauf bist, dass du es losgelassen hast. Wenn es einfach kein Thema mehr ist.

Du bist nicht kaputt

Wenn du das hier liest und denkst: „ich bin noch nicht so weit“ — dann ist das kein Zeichen, dass du versagt hast.

Es ist ein Zeichen, dass du ehrlich bist.

Und Ehrlichkeit ist der einzige echte Anfang.

Du musst nicht weiter sein als du bist. Du musst nur aufhören, dir einzureden, du wärst schon wo du noch nicht bist.

Die Brücke wackelt. Das ist normal. Das bedeutet nicht, dass sie bricht.

Und bis dahin

Rausgehen. Auch wenn es nebelig ist. Auch wenn du nicht weißt wohin. Auch wenn es wehtut.

Loslassen passiert nicht auf dem Sofa.

Wenn du spürst, dass da mehr ist

Wenn du das hier gelesen hast und spürst, dass da etwas in dir sagt: ja, genau das

dann schreib mir. Ein Satz reicht.

→ Schreib mir

Carola Baum Aufgeben ist keine Option