Grenzen setzen und dann doch wieder weich werden
„Du willst bei dir bleiben. Und dann wirst du doch wieder weich.
Ich kenne das.
Und ich weiß auch warum das so ist.“
Die Tür fällt zu. Endlich allein.
Du lehnst dich dagegen. Schließt die Augen. Und merkst wie schwer deine Beine sind.
Wieder.
Du hast Ja gesagt. Schon wieder. Obwohl du dir geschworen hattest diesmal bei dir zu bleiben.
Und jetzt sitzt du da. Mit diesem Gefühl im Magen. Dieser Leere. Und kannst dich selbst nicht aushalten.
Schon wieder.
Du kennst das
Du weißt du solltest Grenzen setzen. Du hast es dir fest vorgenommen. Nie wieder.
Und dann kommt die nächste Gelegenheit. Und du wirst weich. Wieder.
In den letzten Wochen kam das Thema immer wieder hoch in den Impulsgesprächen. Menschen die schon riesen Schritte gemacht haben. Die wirklich viel an sich gearbeitet haben. Und die trotzdem an diese Grenze kommen.
Nein, ich mache jetzt mein Ding. Ich lasse mich nicht mehr reindrücken wo ich nicht will. Nie wieder.
Und bei der nächsten Gelegenheit funktionieren sie trotzdem. Für andere. Auch wenn es ihnen selbst nicht gut geht.
Video: Grenzen setzen — und dann doch wieder weich werden
Dann klappen sie zu Hause zusammen. Heulen vor sich hin. Sind müde und erschöpft und KO und krank.
Ja, klar. Wenn du immer gegen dich arbeitest, rebelliert dein Immunsystem. Das ist so.
Ich war nicht stabil genug
Um zu sich selbst zu stehen, braucht es Selbstvertrauen und einen Selbstwert.
Lange Zeit war beides nicht genug in mir vorhanden.
Ich habe Schuld auf mich genommen obwohl es nicht mal ansatzweise etwas mit mir zu tun hatte. Ich habe verhandelt. Und immer wieder festgestellt dass ich mich dadurch in einer gewissen Opferrolle gehalten habe.
Menschen haben meine „Freundschaft“ gewollt aber nur wenn sie etwas von mir wollten. Und ich habe es geduldet. Nicht weil ich es nicht gespürt habe. Sondern weil ich mich nicht wichtig genug genommen habe.
Meine Bedürfnisse habe ich selbst missachtet. Und deshalb war es kein Wunder dass ich nicht genug Kraft und Stabilität aufbringen konnte klare Grenzen zu ziehen.
Obwohl ich es ändern wollte konnte ich es nicht.
Ich habe immer wieder nachgegeben. Und das war schon so tief in mir verankert dass es wie ein Reflex einfach passiert ist.
Einen Reflex kann man nicht steuern. Er ist der Autopilot der durch ein Signal einfach ausgelöst wird.
Anschließend fühlte ich mich wie ein Regenschirm den man bei Bedarf aus dem Schrank holt.
Die Grenze die wirklich gilt
Diese Klarheit dass sich etwas ändern muss war schon lange da. Nur mit der Umsetzung war es so eine Sache.
Es hat eine kleine Ewigkeit gedauert bis ich mutig genug war meine Grenzen zu setzen. Und noch länger sie auch durchzusetzen.
Dennoch gab es noch die eine oder andere „Ausnahme“. Und heute weiß ich dass das kleine Prüfungen waren.
Diese kleinen und großen Prüfungen kennst du auch. Du hast dir etwas vorgenommen und hast es nicht durchgezogen. Dann hast du immer wieder das in dein Leben gezogen bis du diese Lektion gelernt hast.
Erinnerst du dich an eine?
Ich glaube das Schwerste wenn man auf dem Weg zu sich selbst ist ist es im Frieden damit zu sein dass man nicht mehr den Anspruch hat ein Blumenstrauß zu sein.
Aber hey. Nicht mal ein Blumenstrauß gefällt jedem. Oder?
Das Risiko abgelehnt zu werden solltest du in Kauf nehmen. Denn wer nur bei dir ist oder zu dir findet wenn er etwas von dir will oder weil du funktionierst wie ein Uhrwerk – der meint es nicht ernst mit dir.
Hast du solche Erfahrungen gemacht? Oder zumindest so etwas gespürt?
Hier kannst du weiterlesen wie Kindheitssätze dein Leben prägen und warum du nicht mehr sagst was du wirklich spürst.
Was in der Stille passiert
Hast du mal ausprobiert einfach nur da zu sitzen und nichts zu tun?
Einfach in dich hineinzuspüren ohne etwas finden zu müssen. Nur nach innen horchen und wahrnehmen.
Nichts zu bewerten was du spürst. Es einfach sein zu lassen. Und auch nicht wegzumachen wenn es etwas ist das sich unangenehm oder unbequem anfühlt.
Ich sage dir. Wenn du das ein paar Mal gemacht hast und nicht den Anspruch hattest etwas damit zu machen – dann dürfen die angestauten Emotionen und Energien wieder fließen.
Und dadurch lernst du deine eigene Wahrheit kennen. Dich selbst wieder zu fühlen.
Und dann zeigen sich auch deine Grenzen.
Es wird leichter sie einzuhalten. Und das Durchsetzen wird kein Kampf mehr sondern ist deine natürliche Präsenz die keine Fragen mehr offen lässt.
Was es dich kostet nicht zu fühlen – und was auf der anderen Seite wartet.
Du kannst dich selbst nicht aushalten
Viele lenken sich permanent ab weil sie die Stille für sich zu Hause mit sich allein überhaupt nicht aushalten.
Das ist nicht die Langeweile. Es ist das eigene Aushalten.
Und da mal reinzuspüren warum ist das so. Warum hältst du dich selber gar nicht aus.
Ich glaube wenn wir uns da auch mal so ein bisschen auf die Schliche kommen und da mal hinterblicken – das ist ziemlich faszinierend und spannend.
Es gab auch Zeiten in meinem Leben da fiel es mir sehr schwer mich in der Stille auszuhalten und einfach mal nichts zu tun.
Und ich kann mich dran erinnern. Es gab Zeiten da habe ich keine 2 Minuten ausgehalten.
Okay. Fang mit 2 Minuten an.
Das ist wirklich unglaublich wie schwer das am Anfang fällt einfach nur da zu sein.
Nicht ablenken mit Musik. Nicht ablenken mit Radio. Nicht ablenken mit Fernseh gucken. Nicht anfangen die Möbel zu verstellen. Nicht anfangen irgendwie noch einen Strickkurs mal schnell reinhauen.
Sondern wirklich einfach nichts tun.
Lass es am Anfang 5 Minuten sein. Und du glaubst nicht wie lange 5 Minuten sein können.
Mehr über den Seelenweg und was niemand dir sagt findest du hier.
Zu welchem Preis funktionierst du
Wenn du im Funktionsmodus bist. Zu welchem Preis?
Was ist der Preis den du zahlst wenn du für andere immer nur funktionierst und dich selbst immer hinten anstellst und nicht bei dir bleibst?
Du bist 247 mit dir zusammen. Mit niemanden auf der Welt verbringst du so viel Zeit. Nicht mal mit deinem Hund weil du ja auch zwischendurch mal raus musst mal einkaufen oder sonst was.
Wir haben dieses Leben nicht um für andere zu funktionieren.
Für wen lebst du?
Und das ist auch was in den letzten Wochen immer wieder hochkam. Eigentlich lebe ich für andere.
Und dabei geht es gar nicht darum dass du jetzt ständig irgendwo am Reisen bist oder irgendwie ständig feiern musst. Das ist damit gar nicht gemeint.
Man kann sehr gut mit sich selbst auch in der Stille sein.
Wie ich es geschafft habe? Gar nicht. Ich habe mich entschieden.
Wenn du bei dir bleiben willst
Am Anfang wird sich das natürlich blöd anfühlen wenn du auf einmal anfängst deine eigene Geschichte zu machen und für dich selbst da bist. Weil du es nicht gewöhnt bist.
Aber wenn du deine eigenen Prioritäten auch einhältst und dafür einstehst – dann wird sich ganz viel für dich verändern.
Und ich glaube das solltest du dir auch wert sein.
Das ist erstmal auch die Wertschätzung dir selbst gegenüber. Nicht nur immer den anderen gegenüber. Sondern auch dir selbst gegenüber.
Wenn du spürst dass da mehr ist und du gerade nicht weiterweißt:
SOUL2SOUL – Carola
