Distanz schafft Nähe – Verbindung Hund Mensch ohne Kontrolle
Im letzten Blog ging es ums Fühlen — darum, dass wir Fühlwesen sind und dass Frequenz mehr sagt als jedes Wort.
Heute wird es konkreter.
Denn das beste Beispiel dafür läuft bei vielen von euch gerade durch die Wohnung.
Was in Hundeschulen seit Ewigkeiten beigebracht wird
Der Hund ist auf einer bestimmten Seite zu führen, er darf nicht selbstständig entscheiden — ok, das wurde schon gelockert, aber wohl nicht vermittelt wie. Die Leine ist ein Kontrollwerkzeug, wird aber so nicht genannt. Der Hund soll möglichst dicht am Fuß laufen.
Und das in einer Zeit, wo immer mehr Menschen ihre Feinfühligkeit entdecken.
Ich bin erschrocken darüber, dass trotz Hundeführerschein viele Hundehalter nicht wissen, wen sie da eigentlich an der Leine haben. Es geht nicht darum, den Hund zu kontrollieren, Situationen zu beherrschen oder irgendetwas zu erzwingen, was gerade überhaupt nicht angebracht ist. Dem Hund wird ein „Sitz“ in Situationen abverlangt, wo er lieber Abstand bräuchte. Oder ihm wird in die Flanke gekickt, damit er den Artgenossen nicht ankläfft.
Lucy hat mir das beigebracht
Mein erster Stadthund, meine Lucy, hat mir gezeigt, dass das so nicht funktioniert. Irgendwann fing ich an, auf sie zu hören. Mir blieb nichts anderes übrig, als andere Wege für meinen hochsensiblen Hund zu finden.
Also fing ich an zu experimentieren und aus meinem kleinen Monster wurde eine entspannte Stadthündin, die mich letztendlich vertrauensvoll fast überall mit hinbegleiten durfte.
Die Art, die Leine zu halten, brachte uns schon ein ganzes Stück weiter. Auch die Art und Weise, wie ich anfing mit ihr zu atmen, den Blickkontakt herstellte und sie ihn mir von sich aus schenkte, wenn sie unsicher war. Ich gab ihr die Möglichkeit selbst zu entscheiden, auf welcher Seite sie laufen möchte, wenn uns jemand entgegenkam, der ihr nicht geheuer war.
Meine Aufgabe bestand darin, sie wahrzunehmen, zu spüren, wie sie sich fühlte. Anfangs mit meinen Augen, aber das nahm nach und nach ab und ich fing an, mich mit ihr mental auszutauschen. Das, was ich mein Leben lang gemacht hatte, erwachte ganz langsam aus dem Winterschlaf. Ich hatte es viel zu lange unterdrückt.
Die Leine ist ein Stimmungsüberträger
Nicht nur physisch, je nachdem, wie sie gehalten wird, kann der Hund eher nach vorne gehen, weil ihm etwas anderes vermittelt wird als die Worte, die verwendet werden. Körpersprache ist auch ein Kommunikationsmittel. So oft widersprechen sich die Menschen, weil ihre Körpersprache einfach nicht zum gesprochenen Wort passt.
Aber was viele komplett vergessen: Der Mensch hat ein Energiefeld und der Hund nimmt uns ganzheitlich wahr.
Abstand lässt sehen
So eng bei uns ist sein Fokus auf uns sehr eingeschränkt. Er nimmt unsere Stimmung wahr, aber er kann uns nicht wirklich ganzheitlich erkennen, wenn er so dicht dran ist.
Das kennt doch jeder: Wenn wir uns etwas ansehen, das größer ist als wir, brauchen wir Abstand, um alles erfassen zu können. Stehen wir direkt davor, bekommen wir nicht viel mit.
Wenn der Hund lernt, dass er uns vertrauen kann, Abstand halten darf und die Leine locker ist, wird er fast automatisch deutlich mehr Kontakt aufnehmen. Das ist dann unsere große Chance, ihm mitzuteilen, was wir von ihm möchten.
Als Worte aufhörten, nötig zu sein
Damals fing ich an, gar nicht mehr mit Lucy zu sprechen, außer zum Loben. Aber auch das machte ich nicht in einer quietschigen Stimme, sondern in einem tiefen Ton. Sehr ruhig, sehr langsam. Und mein Hund wurde alleine dadurch schon deutlich entspannter. Ich auch.
Richtungswechsel über Augenbrauen
Mittels Körpersprache fing ich an, sie zu führen und die wurde immer subtiler. Zum Schluss konnte ich ihr Richtungswechsel über meine Augenbrauen mitteilen. Die Grundkommandos übermittelte ich über so feine Körperschwerpunktverschiebungen, dass es niemand mitbekam.
Selbst Abrufen brauchte ich nicht mehr verbal, sondern gab ihr Handsignale, die sie zuverlässig ausführte, egal wie groß die Ablenkung war. Das hat richtig Spaß gemacht.
Wenn die Sinne nachlassen
Unsere Hunde werden älter. Der Gehörsinn lässt nach, auch die Augen. Also fing ich mit all meinen Hunden an, taktile Kommunikation einzuführen. Der Vorteil: Der alte Hund muss es nicht mehr lernen. Er kann im Vertrauen bleiben, auch wenn ihm seine natürlichen Sinne nach und nach abhanden kommen.
Meine Tiere sind quasi mehrsprachig aufgewachsen, ohne Druck, sondern über Spaß und einfach machen.
Dieser Perspektivenwechsel, vor 25 Jahren, machte nicht nur aus meinem Hund und mir ein Team. Er machte auch viele andere Hundehalter deutlich entspannter im Umgang mit ihrem Tier. Im Laufe der folgenden Jahre wurde immer weniger Training nötig. Wir spielten, hatten einfach Spaß und das scheint vollkommen vergessen worden zu sein.
Verbindung Hund Mensch — was das mit Fühlen zu tun hat
So geht es unserem Hund und auch Pferden, wenn sie mit uns unterwegs sind. Die Energie, die wir ausstrahlen, ist mehr wert als das, was wir konditionieren und verbalisieren. Das gilt übrigens nicht nur für Tiere.
Das gegenseitige Spüren schafft Vertrauen, weil es keinen Missbrauch über vermeintliche Hilfsmittel mehr gibt.
Ein Hund der funktioniert, ist wie ein Mensch der funktioniert. Mehr oder weniger kommt man durch den Alltag, aber etwas ganz Entscheidendes bleibt auf der Strecke.
Sind wir mit uns selbst verbunden und auch mit unserem Tier, ist das eine ganz andere Qualität, den Alltag zu meistern und durch herausfordernde Situationen zu kommen.
Engel auf Pfötchen
Fühlen, wie es meinem Tier geht. Wahrnehmen, wann es Unterstützung braucht. Und was, wenn es mal nicht geklappt hat? Dann habe ich mich zurückgezogen und die Situation reflektiert. Eine ähnliche noch mal herbeigeführt und bin achtsamer gewesen, damit ich nicht den gleichen Fehler mache.
Für mich sind unsere tierischen Begleiter sichtbar gewordene Engel auf Pfötchen. Gerade die sensiblen kommen oft dann zu uns als Helfer, wenn wir bereit sind, uns auf den Seelenweg zu machen. Durch sie sind wir meist erst bereit, uns zu verändern. Das würden wir ohne sie wahrscheinlich erst viel später tun. Für sich selbst verändern? Schwer. Für unseren Fellträger — ja.
→ Engel auf Pfötchen – dein tierischer Begleiter auf dem Weg zu dir selbst
Vielleicht erkennst du dich gerade. Vielleicht merkst du, dass dein Hund dir schon längst zeigt, was du für dich selbst noch lernst.
Wenn du spürst, dass da mehr ist und du einen Impuls brauchst, um den nächsten Schritt zu gehen, dann bin ich da.
Disclaimer: Dieser Blog ersetzt keine tierärztliche oder therapeutische Begleitung. Die Inhalte basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und sind als Impulse gedacht — nicht als Anleitung.
