Du machst alles, trägst alles und zurück bleibt die Leere?
Beim Helfersyndrom fühlt sich Verantwortung an wie Pflicht.
Was steckt wirklich dahinter, wenn du immer der oder die bist, die alles übernimmt?
Helfersyndrom: Warum du die Last der Welt alleine trägst
Also deine Rolle möchte keiner freiwillig übernehmen. Aber einer muss es ja tun. Das Helfersyndrom lässt grüßen.
Vielleicht hast du schon von klein auf gelernt, dass du stärker sein musst als alle anderen und hast dir das Label verpasst, dass du die Last der Welt auf deinen Schultern tragen musst.
Weißt du was, die Welt dreht sich weiter, auch wenn du nicht alles alleine machst. Auch wenn gerade alles den Bach runter geht, bist du nicht verantwortlich dafür.
Schuldgefühle aus der Kindheit
Diese Schuldgefühle wurden dir vielleicht schon als Kind eingeredet. Bei mir war es so. Alles was schief ging im Leben einer bestimmten Person, hat sie mir als Schuld zugesprochen.
Ich Dummerchen habe es viel zu viele Jahre geglaubt und diese Schuldannahme wurde regelrecht zu einem Reflex. Die Schuld auf mich zu nehmen wurde so normal, dass ich gar nicht darüber nachdachte.
Ich erinnere mich an einen Vorfall, wo ich jemandem ins Auto gefahren bin. Die Polizei kam und ich suchte verzweifelt nach Gründen, warum mir das passiert ist. Obwohl die Polizisten sich alle Mühe der Welt gaben mir zu erklären, dass es ein beabsichtigter Crash war und nahezu täglich vorkommt, weil es sich um eine Abzocker Bande handelte, habe ich das gar nicht wahrgenommen.
Wer in so einer Schuldschleife steckt, steckt nicht im Gefängnis, sondern in einem tiefen Kerker.
Alles alleine machen und trotzdem erschöpft
Du hast deine Kräfte trainiert und weißt genau, wie viel Schwung du brauchst um schon mal voran zu gehen und die Probleme der Welt aus dem Weg zu schaffen.
Jeden Tag gibst du dein Bestes und dennoch bleiben Zweifel und innere Leere und der Blick auf den Tag fühlt sich sogar traurig an, weil du gar nicht siehst, was du getan hast. Nicht, weil du nichts bewegt hast, sondern weil du den Müll anderer versucht hast zu entsorgen, mit Eifer, Tatendrang und Lautstärke hast du versucht die Probleme anderer zu überrollen.
Aber wirklich, dieser Problemklau macht die Probleme nicht kleiner und entlastet dich auch nicht von den Schuldgefühlen, die sich türmen. Alles allein mitnehmen wollen, ist anstrengend und anstatt auch nur einen Funken Überforderung zuzugeben, versuchst du am nächsten Tag noch mehr herauszuholen.
Helfersyndrom: Warum du nie Pause machst
Jo Attacke. Der nächste Morgen und wieder rennst du mit Vollgas voraus. Obwohl du es schon gar nicht mehr willst, ist es ein innerer Zwang und wieder packst du alles auf deine eigenen Schultern und wunderst dich dann, warum du am Ende des Tages wieder erschöpft im Chaos stehst und der eigentliche Knoten gar nicht gelöst wurde.
Was meinst du? Steckt dahinter die leise Befürchtung, wertlos zu sein, wenn du einfach mal die Probleme bei denen lässt, die damit wirklich lernen müssen umzugehen? Stell dir nur mal vor, jeder dürfte aus seinen eigenen Fehlern lernen. Es gibt keine Opfer – Täter – Helden Rolle mehr, sondern nur Menschen, die täglich ihr Bestes geben.
Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist, wenn man so sehr mit seinem Helfersyndrom zu tun hat und daran glaubt, dass es so sein muss. Andere beschützen und dabei auch zu viel zu übernehmen. Stell dir vor, wie es für die andere Seite aussieht…
Burnout durch Überverantwortung
Ein riesiger Anlauf ist nötig, um die Lage im Alleingang zu retten. Dass dabei vor lauter Eifer Porzellan zerschlagen wird und man am Ende verdutzt in den Scherben steht, ist nicht verwunderlich, oder? Und während die anderen nur den Kopf schütteln, versuchst du weiterhin, gegen Windmühlen zu kämpfen.
Ein Klassiker: Ein Partner macht alles. Er übernimmt im Laufe der Partnerschaft immer mehr Aufgaben und hat ordentlich mit Burnout-Symptomen zu kämpfen. Der andere Teil der Lebensgemeinschaft denkt nicht im Traum daran zu helfen, weil es zur Gewohnheit geworden ist, dass alles abgenommen wird, und gefühlt alles durcheinandergerät, sobald er sich einbringt.
Der erste Partner spricht unbewusst sogar von einem zusätzlichen Kind, und gemeint ist der Partner. Letztendlich hat der eine den anderen dazu erzogen, sich so zu verhalten, und keiner von beiden hat es gemerkt.
Dieses Beispiel kommt in der Realität erschreckend oft vor.
Helfersyndrom erkennen im Alltag
Vielleicht kommt dir das bekannt vor: Du hilfst bei einem Umzug und natürlich stemmst du drei Kartons auf einmal, nur um zu zeigen, dass es geht. Dass du dir dabei fast den Rücken verdrehst, anstatt einfach zweimal zu gehen, ist für dich gar nicht verhandelbar.
Wozu gibt es die freundliche Apotheke in der Nachbarschaft, die für alles ein Mittelchen hat. Aber weniger machen? Kommt nicht in diese Tüte.
Stell dir vor jemand in einer Runde macht einen Aufruf und bringt eine Idee in die Welt. Bist du derjenige oder diejenige, der sofort die Organisation für alle übernimmt, ungefragt alle Aufgaben an sich reißt und sich abends beschwert, dass „wieder alles an einem hängen bleibt“.
Upsi, ich weiß, dass es so vermittelt nicht gerade nach Applaus klingt. Aber ich kenne zu viele Menschen und finde es muss mal deutlich ausgesprochen werden, damit die blinden Flecken, der Schuldgefühle sich überhaupt mal angesprochen fühlen.
Stell dir vor, jemand erzählt von einem Problem und sofort kommst du mit einer fertigen Ansage und drei Lösungsschritten um die Ecke, anstatt einfach nur fünf Minuten zuzuhören. Stell dir nur mal vor, dass diese Person alleine durch das Reden auf die eigene Lösung kommt. Verflixt.
Vielleicht ist genau das das Problem. Dieses Gefühl wertlos zu sein, ist so schmerzvoll und ja, ich kenne es und habe lange gebraucht, um es annehmen zu können.
Wer bin ich, wenn ich nichts retten muss?
- Wer bin ich eigentlich noch, wenn ich gerade mal nichts retten oder reparieren muss?
- Wo lade ich mir freiwillig Gepäck auf, nur damit meine Hände beschäftigt sind?
- Was passiert, wenn ich den schweren Brocken einfach liegen lasse und weitergehe?
Was ist dein blinder Fleck?
Du möchtest nicht weiter alleine im Nebel stochern? Dann ist vielleicht ein Impulsgespräch für dich genau das Richtige. Lass uns hinter deine Geschichten schauen und entdecken, wer du wirklich bist.