Ich halte mich für spontan, bin mutig und probiere sehr gerne Neues aus. Mein Umzug nach WHV war schon mal ein großer Beweis dafür und nicht nur der. Mein ganzes Leben eigentlich schon.
Aber zurück zu spontan und gerne Neues ausprobieren… Heute Nachmittag war ich so richtig fertig. Ich musste mich mit Dingen beschäftigen, die einfach nicht meine Baustelle sind aber dennoch gemacht werden mussten.
Irgendwann war ich aber so erschöpft, dass ich mich zu einer Pause entschlossen hatte. Mein Blick fiel zum Fenster und ich stellte entzückt fest, dass es wohl schon lange nicht mehr regnete und sogar die Sonne schien. Na besser geht es nicht. Rosi war verpennt aber dennoch war es allerhöchste Zeit für ihre Gassi Runde.
Da wir ja immer noch auf der Suche nach dem nächsten Ort mit Meerblick waren, fand ich den Zeitpunkt für ausgesprochen geglückt. Ab ins Auto und 5 Minuten später waren wir schon auf dem Parkplatz. Von hier aus sollten es nur noch ein paar Meter zum ersehnten Ziel sein.
Der Sturz in den eiskalten Graben
Da ich aber wusste, dass Rosi dringend musste, sah ich ein paar Büsche, die sie dafür bevorzugte. Eigentlich wollte ich vor gehen und sie ihr dann zeigen. Noch während ich das dachte, kam ein unfreiwilliges Eisbad auf mich zu. Ja, spontan und mutig musste das wohl so kommen, denn freiwillig käme mir das nicht in den Sinn.
Aber so lustig, wie sich das hier anhört war das gar nicht. Es war kein kleiner Graben, in den ich gefallen bin. Er war sogar ausgesprochen tief und ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wie ich da hineingeraten bin. Der Graben war mindestens 1,2m tief und die Eisschollen krachten immer wieder gegen meinen Körper, und so verhinderten sie immer wieder das herauskrabbeln. Inzwischen war ich bis fast zu den Schultern im Eiswasser und rutschte immer schneller ab.
Die Ruhe im Moment der Panik
Eine kleine Panikattacke kündigte sich an und in dem Moment, wurde ich ganz ruhig. Meine Klamotten waren bis zu den Schultern im eiskalten Wasser aber meine durchströmende Ruhe ließ mich Grasbüschel greifen und ganz langsam konnte ich mich zitternd befreien. Die klatschnassen Sachen klebten an meinem Körper, die Stiefel quietschten und quatschten bei jedem Schritt.
Ich packte Rosi unvollrichteter Dinge ins Auto und fuhr schnellstens nach Hause. Ich zog die nassen Sachen aus und stellte fest, dass ich am ganzen Körper Prellungen hatte und mir alles weh tat, von der Kälte war ich eine Mischung aus stellenweise rot bis blau. Aber mir war dennoch nicht wirklich kalt.
Die Entscheidung zur Meisterschaft
Also legte ich mich trocken und überlegte, wo ich mit Rosi sonst hinfahren könnte. Als ich angezogen war wurde es wieder ganz ruhig in mir. Natürlich fahren wir da hin, wo wir eigentlich laufen wollten… Es ist noch nicht lange her, da hätte ich um diese Stelle einen riesen Bogen gemacht. Wahrscheinlich wäre ich nicht mal rausgegangen, hätte mich trocken gelegt und wäre vor der Heizung zitternd in stumpfes brüten gefallen. Irgendwann wäre ich vielleicht wieder an einen anderen Ort gefahren aber der… nee, nie wieder.
Wir fuhren also wieder zurück, zum Unglücksort. Ich schaute mir die Stelle an und ich frage mich immer noch wie das passieren konnte und war nur froh, dass Rosi nicht vor mir bei den Büschen ankam. Wir hatten einen tollen Nachmittag und haben wieder wunderbare Fotos gemacht. Rosi hat noch Schnee gefunden und wieder Rosi Schneeengel gemacht.
Meine innere Wandlung
Ich staune immer noch wie sich meine innere Haltung in den letzten Monaten gewandelt hat. Die letzten 2 – 3 Jahre habe ich meine persönliche Transformation verkörpert und heute durfte ich, wenn auch wieder unfreiwillig, eine weitere Meisterschaft für mich gewinnen.
Aber mich hat die Situation an noch etwas erinnert. Als kleines Kind wäre ich fast ertrunken, somit hat Wasser für mich eine besondere Faszination aber niemals würde ich z.B. ins Meer gehen. Eisbaden ist ja ein regelrechter Hype und bisher habe ich mich immer erfolgreich davor gedrückt – Es ist ja kalt und Kälte ist etwas, das ich gar nicht leiden kann.
Aber was noch interessanter war, dass ich wieder Beobachter war. In dem Moment, als sich diese kleine Panikattacke ankündigte und ich innerlich ganz ruhig wurde, stand ich an diesem Graben und etwas half mir nicht mehr abzurutschen, sondern irgendwie da raus zu kommen.
Hast du auch schon mal erlebt, dass eine Situation, die dich früher völlig aus der Bahn geworfen hätte, heute zu deinem persönlichen Sieg geworden ist? Schreib es mir gerne in die Kommentare!