Ich habe jahrelang nicht gespürt was Liebe ist. Nicht weil sie nicht da war. Sondern weil ich den Weg dahin nicht gehen konnte. Bis ich es durfte.

Es gibt einen Moment den ich nie vergessen werde.

Ich war ein Kind. Vor mir eine Pferdebox. Darin ein Pferd das niemanden mehr an sich ließ. Gefährlich, sagten die Erwachsenen. Nicht anfassen. Nicht rein. Abstand halten.

Ich hielt keinen Abstand.

Ich stand einfach da. Stunde um Stunde. Nicht weil ich mutig war. Sondern weil ich seine Einsamkeit spürte. Seine Trauer. Diese Hoffnungslosigkeit niemals wieder Freude finden zu können.

Ich kannte das Gefühl.

Körnchen

Irgendwann streckte er mir seinen Kopf entgegen.

Ich fragte ihn innerlich ob etwas davon stimmte was man über ihn erzählte.

Er sagte: „Manches schon.“

Er war so traurig. Und ich weinte mit ihm.

Ohne es zu merken hatte ich mich an ihn geschmiegt. Er drückte sanft seine Nase an meinen Körper. Als ich es bemerkte fragte ich ihn ob ich zu ihm in die Box kommen dürfte.

„So gerne.“

Wir saßen nur da. Stirn an Stirn. Meine Hände an seinem Hals. Ich erinnere mich noch genau wie seine Haut zitterte und sein Puls schlug.

Niemand außer den Tieren hat damals gesehen wer ich war.

Was es mich gekostet hat

Ich habe diesen Moment jahrzehntelang in mir getragen. Aber ich konnte ihn nicht fühlen. Nicht wirklich. Das Fühlen war irgendwann einfach weggegangen, nicht weil ich es wollte, sondern weil es das Einzige war was funktioniert hat um zu überleben.

Depression ist nicht Schwäche. Depression ist oft die einzige Antwort eines Systems das zu viel gespürt hat ohne jemanden der es hält.

Das hat mich mein ganzes Leben gekostet. Nicht der Schmerz. Sondern das Nicht-Fühlen.

Ich habe alles versucht. Klopfen. Affirmieren. Seminare. Glaubenssätze lösen. Und immer wieder das gleiche, kurz was. Dann wieder nichts.

Weil ich nicht an den Ort ran kam wo das alles wirklich lag.

Warum du zugemacht hast

Irgendwann hat jemand gesagt: Stell dich nicht so an.

Oder: Sei nicht so empfindlich. Nimm nicht alles so persönlich. Reiß dich zusammen.

Und du hast das geglaubt. Nicht weil es stimmte. Sondern weil du keine andere Wahl hattest. Weil dicht machen das Einzige war was funktioniert hat wenn niemand da war der dich hält.

Ich weiß wie sich das anfühlt.

Und dann kam noch was obendrauf. Dieser ganze Hype mit Energievampiren. Schutz aufbauen. Grenzen setzen gegen alles was dir Energie zieht. Als wäre das Fühlen selbst das Problem.

Dabei war das Fühlen nie das Problem.

Es war deine Superkraft. Nur hat dir das nie jemand gesagt. Niemand hat dir gezeigt wie du damit lebst ohne daran kaputtzugehen. Also hast du sie weggesperrt. Irgendwann wusstest du gar nicht mehr wo der Schlüssel ist.

Und weißt du was das Traurige daran ist?

Mit der Superkraft hast du alles andere auch weggesperrt. Die Freude. Die Leichtigkeit. Die Liebe.

Die war die ganze Zeit da. Auf der anderen Seite.

Was auf der anderen Seite wartet

Meine Emotionen habe ich befreit und durfte noch einmal zurück zu Körnchen.

Nicht wirklich. Aber auf eine Art die echter war als alles was ich mit Techniken je erreicht habe.

Ich spürte was ich damals hätte fühlen können wenn ich es damals schon gedurft hätte. Diese Stirn an meiner. Dieser Puls. Diese Stille zwischen zwei einsamen Seelen die sich gefunden haben.

Und was kam war nicht Schmerz.

Es war Liebe.

Pure Liebe. Voll. Ganz. Ohne Bedingung.

Das ist es was hinter allem gewartet hat. Nicht als Belohnung. Sondern weil es die ganze Zeit da war. Auf der anderen Seite vom Schmerz.

Was das wirklich bedeutet

Heilung ist nicht linear. Sie ist kein Programm. Kein fünf-Schritte-Plan.

Sie ist der Moment wo du aufhörst die Wellen festhalten zu wollen. Wo du aufhörst zu fragen ob das jetzt richtig oder falsch ist. Wo du einfach da bist. Mit dem was kommt.

Und dann – irgendwann – kommt der Seelenstein.

Der letzte. Der tiefste. Der der wartet bis du bereit bist ihn anzunehmen.

Bei mir war es Liebe. Die ich nicht kannte. Die ich nie gespürt hatte. Die mich mein ganzes Leben lang gesucht hat während ich dachte ich suche sie.

Körnchen wusste es damals schon.

Das ist es was dich erwartet.

Auf der anderen Seite vom Schmerz.


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