Loslassen oder Vermeidung — kennst du den Unterschied?
„Du musst nur loslassen.“ Klingt einfach. Ist es nicht. Und wurde dir dabei auch erklärt, wie es sich wirklich anfühlt?
Es ist so unendlich anstrengend und die Müdigkeit macht dich fertig. Nicht, weil du müde bist aus Schlafmangel, sondern weil du immer wieder gehört hast: „du musst nur loslassen.“
Und du hast es versucht. Immer wieder. Neue Techniken ausprobiert, neue Tools angeeignet und ja, manches hat sich auch zunächst gut gefühlt.
Aber was ist wirklich passiert?
Dir wurde Loslassen erklärt. Aber wurde dir dabei auch gesagt, wie es sich wirklich anfühlt? Wie es ist, wenn du wirklich loslässt? Oder hat man dir nur erklärt, wie du besser vermeidest — aber es so natürlich nicht genannt?
Jetzt liest du das hier und bist verzweifelt, weil du dich fragst, warum es bei dir nicht klappt.
Ich war an der gleichen Stelle. Auf dieser Brücke. Und ich weiß, was da wirklich passiert.
Lies weiter.
Was Loslassen wirklich ist und was nicht
Loslassen ist eines der wichtigsten und gleichzeitig verkannten Themen überhaupt.
Und ich glaube, dass die meisten Menschen, die glauben sie lassen los, gerade vermeiden.
Nicht absichtlich. Aus Angst. Aus der ganz realen Angst, dass sich wirklich etwas verändern könnte.
Was ja paradox ist. Denn wir wollen doch Veränderung. Sonst würden sich nicht so viele Menschen verloren fühlen.
Aber das was wir haben ist bekannt. Und bekanntes fühlt sich sicher an — auch wenn es uns kaputt macht.
Stell dir mal vor, diese eine Sache, die du wirklich nicht mehr in deinem Leben haben willst, wäre wirklich weg. Nicht verdrängt. Nicht umbenannt. Wirklich weg.
Was würde sich dadurch alles verändern?
Am Symptom arbeiten oder an der Wurzel
Ich frage mich, ob das bewusste Thema, an dem wir arbeiten, oft nur das Symptom ist. Und was dahinter steckt, ist noch ein blinder Fleck.
Wir arbeiten uns ab an dem, was wir sehen. Aber der Ursprung wartet tiefer.
Alte Glaubenssätze, Muster, Gewohnheiten, traumatische Erlebnisse — die haben wir alle. Das Loslassen davon, und damit auch das Befreien dessen was dadurch verloren gegangen ist, passiert nicht über Nacht.
Es passiert in Schichten.
Du entfernst eine und es fühlt sich an wie eine riesige Last, die von dir gefallen ist. Aber darunter geht es weiter. Solange, bis du den Ursprung erreichst.
Und das funktioniert nicht nach Zeitplan. Sondern dann, wenn du wirklich bereit bist hinzugehen.
Der Morgen an dem ich verstanden habe, was Loslassen ist
Ich war mal bei einem Morgenspaziergang mit Rosi. Dichter Nebel, man konnte kaum drei Meter sehen. Irgendwo dahinter wollte die Sonne durch, aber noch nicht.
Die ganze Zeit dieser eine Glaubenssatz. Er ließ mich nicht los. Alles was er mir angetan hatte, was er aus mir gemacht hatte. Es tat weh. Auch körperlich. Ich heulte.
Aber es gab kein Zurück. Weil jetzt der richtige Moment war.
Ich kam an einem Bachlauf an. Fließendes Wasser. In solchen Momenten immer eine Unterstützung.
Und als ich bereit war — kam die Sonne durch.
Klingt kitschig. War aber so.
Danach konnte ich es nicht mal mehr benennen, was losgelassen hatte. Es hatte keinen Namen mehr. Keine Energie mehr. Es war einfach weg.
Das ist echter Abschied.
Wie erkenne ich den Unterschied
Vermeidung fühlt sich kurzfristig auch wie Erleichterung an. Du redest drüber, du analysierst es, du gibst ihm einen Namen, vielleicht sogar einen Ursprung. Du sagst „ich hab das losgelassen“ — und meinst damit, du denkst gerade nicht dran.
Aber es kommt wieder. In einer anderen Verpackung. Mit einem anderen Gesicht. Beim nächsten Partner, beim nächsten Job, beim nächsten Konflikt.
Weil du am Symptom gearbeitet hast, nicht am Ursprung.
Vermeidung hat viele Gesichter.
Manchmal sieht sie aus wie Entwicklung. Du passt dich an. Du gibst nach. Du wirst gefälliger, netter, zugänglicher. Du denkst, das gehört dazu.
Aber irgendwann merkst du: du bist jedes Mal aufs Schnäuzchen gefallen. Nicht weil du es falsch gemacht hast. Sondern weil du versucht hast jemand zu sein, der du nicht bist.
Das ist auch Vermeidung. Nur mit einem freundlichen Gesicht.
Der Unterschied ist spürbar — aber nicht erklärbar. Du weißt es erst danach. Wenn es keinen Namen mehr hat. Wenn du nicht mal mehr stolz darauf bist, dass du es losgelassen hast. Wenn es einfach kein Thema mehr ist.
Du bist nicht kaputt
Wenn du das hier liest und denkst: „ich bin noch nicht so weit“ — dann ist das kein Zeichen, dass du versagt hast.
Es ist ein Zeichen, dass du ehrlich bist.
Und Ehrlichkeit ist der einzige echte Anfang.
Du musst nicht weiter sein als du bist. Du musst nur aufhören, dir einzureden, du wärst schon wo du noch nicht bist.
Die Brücke wackelt. Das ist normal. Das bedeutet nicht, dass sie bricht.
Und bis dahin
Rausgehen. Auch wenn es nebelig ist. Auch wenn du nicht weißt wohin. Auch wenn es wehtut.
Loslassen passiert nicht auf dem Sofa.
Wenn du spürst, dass da mehr ist
Wenn du das hier gelesen hast und spürst, dass da etwas in dir sagt: ja, genau das —
dann schreib mir. Ein Satz reicht.